ModellprojektModellprojekt

Sie befinden sich hier:

  1. Modellprojekt

Modellprojekt FSJdigital

Seit September 2015 erprobt der DRK-Landesverband Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem DRK-Generalsekretariat erfolgreich das Modellprojekt FSJdigital. Dabei werden Freiwillige von den Mitarbeitenden so geschult und begleitet, dass sie digitale Inhalte und Projekte in sozialen Einrichtungen umsetzen können. 

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert und von der Deutschen Telekom AG unterstützt.

Beim FSJdigital stellen junge Menschen im Alter von 16 bis 26 Jahren in einem speziellen Freiwilligendienst, der soziales und digitales Engagement kombiniert, ihr Wissen über die neuen Medien und ihre technischen Fähigkeiten gemeinnützigen Einrichtungen zur Verfügung. Sie unterstützen und helfen in ihren Einsatzstellen, wie z.B. Kindertagesstätten, Schulen oder Senioreneinrichtungen, bei der Umsetzung von digitalen Projekten und vermitteln Medienkompetenz u.a. an Kinder und ältere Menschen. So werden die „digital natives“ mit den digitalen „Neulingen“ zusammengebracht und generationenübergreifende Brücken gebaut, von der beide Seiten profitieren. Neben den positiven Effekten für die Lebens- und Bildungsbiografien der Freiwilligen werden die gesellschaftliche Teilhabe und die Lebensqualität der Klient*innen gesteigert sowie die Zugänge der Einrichtungen und ihrer Mitarbeitenden zur digitalen Welt gefördert.

Parallel zu ihrem praktischen, in der Regel zwölfmonatigen Einsatz werden die Freiwilligen u.a. innerhalb von 25 Seminartagen fachlich und pädagogisch durch den DRK-LV Sachsen-Anhalt begleitet. Zudem werden die FSJler*innen in der Einsatzstelle durch das Personal angeleitet und bei der Umsetzung der digitalen Projekte, die sie neben den normalen Tätigkeiten im Rahmen des FSJ durchführen, unterstützt.

In den ersten beiden Jahrgängen (2015/16, 2016/17) haben rund 60 Freiwillige das FSJdigital absolviert. Im ersten Jahrgang lag der Schwerpunkt auf dem Thema Digitale Kampagne, im zweiten Jahrgang auf der Organisation eines Jugendbarcamps. Im laufenden dritten Jahrgang (seit September 2017) sollen insbesondere junge Menschen mit Beeinträchtigungen auf ein FSJdigital angesprochen und zur Teilnahme motiviert werden.

Bausteine im FSJdigital

  • Computer- und Internetführerschein

    Im Rahmen der Computer- und Internetführerscheinkurse in sozialen Einrichtungen wird neben der reinen Bedienkompetenz auch der kritische und verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien vermittelt werden. Medienkompetenz bedeutet, Medien für die eigenen Ziele und Bedarfe nutzen und die erworbenen Fähigkeiten weitergeben zu können. Medienkompetenzerwerb wird als Teil eines Bildungsprozesses gesehen, der die Befähigung zur gesellschaftlichen Teilhabe ermöglicht. Teilnehmendenorientierung, Situationsansatz, problemorientiertes Lernen, Lebensweltbezug und Partizipation sind die didaktischen Prinzipien, die den modular angebotenen Computer- und Internetführerscheinkursen zugrunde liegen.

    Praxisbeispiel:

    Im Mehrgenerationenhaus Pusteblume in Halle fand wöchentlich ein Computerkurs für ältere Menschen statt, in dem Lia Heine Senior*innen in Aufbau und Umgang mit Hard- und Software wie Excel, Word und PowerPoint schulte. Kai Böwe beantwortete in einer gemeinsam mit dem Seniorenrat in Stendal ins Leben gerufene Handysprechstunde einmal in der Woche Fragen und Probleme rund um das Smartphone (z.Bsp. Benutzung von Apps, Anlegen von Kontakte, Videotelefonie, etc.).

  • Internettelefonie

    Neue Medien gehören für viele zum Alltag und verbreiten sich zunehmend. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl von insbesondere älteren Menschen, die diese technischen Geräte heute nicht benutzen können. So sind Senioren häufig abgeschnitten vom Internet als modernem Kommunikationsmedium. Es entsteht dadurch eine digitale Kluft zwischen jüngeren Nutzer*innen und der älteren Generation. Durch den Einsatz von Internettelefonie und das Erlernen des kompetenten Umgangs damit kann gesellschaftliche Teilhabe (z. B. Kommunikation mit Familienangehörigen) erleichtert und/oder ermöglichet werden (z. B. Teilhabe an einer Weihnachts- oder Geburtstagsfeier oder einer kulturellen Veranstaltung), da sie keine physische Anwesenheit voraussetzt. 

    Praxisbeispiel:

    Johann Georgi erfüllte 2016 vielen Bewohnern des DRK-Altenpflegeheims in Halle einen großen Wunsch: er schulte sie im Umgang mit ihren Tablets und Laptops und zeigte ihnen, wie man Skype installiert und zur Kontakthaltung mit eigenen Familienmitgliedern und Freunden in die Ferne nutzen kann.

  • Barrierefreie Website

    Barrierefreiheit schließt sowohl Menschen mit und ohne Behinderung als auch Benutzende mit technischen oder altersbedingten Einschränkungen ein. Menschen mit Behinderung sind überdurchschnittlich häufig im Internet und dabei auf eine spezielle Aufbereitung der Webangebote angewiesen. Prinzipiell bedeutet „barrierefrei“, dass niemandem Barrieren in den Weg gelegt werden dürfen. Auch Nutzer*innen ohne Handicap dürfen nicht verpflichtet werden, beim Abruf von Internet-Angeboten genau dieselbe Hard- und Software zu verwenden wie der Anbieter. Neben der Zugänglichkeit geht es auch um die Plattformunabhängigkeit – ein Internetangebot soll mit allen Formaten und Geräten nutzbar sein. Ebenso wichtig ist, dass die Inhalte übersichtlich und in leicht verständlicher Sprache präsentiert werden. Barrierefreiheit beinhaltet auch, dem Thema entsprechende Anforderungen an Bildung, Ausbildung und intellektuellem Niveau zu stellen. Auch die besonderen Bedürfnisse älterer Menschen sowie Menschen aus benachteiligten Lebensverhältnissen sollen berücksichtigt werden.

    Praxisbeispiel:

    In den DRK-Kreisverbänden Dessau, Weißenfels und Schönebeck haben die /FSJdigitaler Christian Hampl, Sania Khan und die aus der Ukraine stammende Yelizaveta Tishenko wesentlich dazu beigetragen neue Websiten zu entwickeln, sowie Sprachbarrieren abzubauen (z.B.: Übersetzung der Websitentexte in verschiedene Sprachen).

  • Digitales Storytelling

    Digitales Storytelling verbindet mündliches Geschichtenerzählen mit multimedialer Technik. Eine auf die wesentlichen Aussagen reduzierte Geschichte (z.B. Erinnerungen, Erfahrungen) wird durch die Verknüpfung mit Bildern, Filmen und Musik verstärkt. Erzählt wird diese Geschichte mit der Stimme des Freiwilligen und/oder des Klienten. Die Bilder können aus einem Fotoalbum des Klienten stammen oder auch speziell für die Geschichte fotografiert, gefilmt oder aus anderen Quellen ausgesucht werden. Digitale Geschichten entwickeln durch ihre persönliche Perspektive, die audio-visuelle Verbindung und ihre Kürze eine besondere Intensität. Digitales Storytelling umfasst sowohl Geschichten von und für Menschen als auch von gemeinwohlorientierten Einrichtungen und ihrer Akteure. So können beispielsweise die Senioren eines Altenpflegeheims ihre Lebensgeschichte als Film oder Hörstück mit Hilfe einer Freiwilligen digital zugänglich machen und dabei zugleich die Bindung zur Altenpflegeeinrichtung verdeutlichen. 

    Praxisbeispiel:

    John Hetsch entwickelte eine ganze Storytelling-Seite zum Thema Gedenkstättenfahrten: senseoftime.pageflow.io/gedanken-zum-gedenken In kurzen Audio-, Video-, Foto- und Textbeiträgen lässt er Jugendliche über ihre Gedanken zu Gedenkstättenfahrten und den Nationalsozialismus berichten. Der im Jugendherbergswerk tätigte Freiwillige Nils Novak hat sich 2017 im Jubiläumsjahr auf Spurensuche von Martin Luther begeben. Als sogenannter „Refo-Reporter“ berichtet er auf dem Blog menschmartin.org  ausführlich über seine Erlebnisse: menschmartin.org/category/refo-reporter/

  • Digitale Kampagne

    Durch digitale Kampagnen sollen Menschen mittels niedrigschwelliger, gemeinwohlorientierter Mitmachangebote aktiviert werden, sich freiwillig für eine „gute Sache“ einzubringen. In diesem Sinne wirkt der Einsatz dieses digitalen Bausteins nicht nur unterstützend auf die Vorbereitung, Organisation und Durchführung bürgerschaftlichen Engagements, sondern ermöglicht auch digitales bürgerschaftliches Engagement als „neue Form“ des freiwilligen Engagements. Kombiniert mit Elementen des Fundraising können gemeinwohlorientierte Einrichtungen hierdurch auch bei der Umsetzung sozialer Projekte unterstützt werden.

    Praxisbeispiel:

    In 2016 und 2017 haben die /FSJdigitaler Johann Georgi und Marco Petersilge ein altes Klavier im Seniorenheim aus seinem Dornröschenschlaf erweckt. Mit einer digitalen Kampagne ist es den beiden Freiwilligen gelungen, Klavierpatenschaften zu werben und die Firma Leipzig Pianos für das Stimmen des Klaviers zu beauftragen.   Der FSJler Philipp Conrad konnte mit seiner digitalen Kampagne „Geld für’s Feld“ 6.000 Euro für seine Einsatzstelle Wald 1.1 gGmbH einwerben. 40 Spender beteiligten sich an der Aktion und verhalfen somit der Umweltschutzorganisation, die sich Aufforstungsprojekten widmet, zum Erwerb eines Kubota Diesel-Traktors zum Unkraut mähen und mulchen der gepflanzten Bäume.

  • Barcamp

    Aus einer Mischung von Präsenz- und Online-Teilnahme bestehend, bringen Barcamps die Idee des Web 2.0 und des Mitmachens und Einmischens in die Offline-Welt. Es handelt sich um ein hierarchiefreies Format, um junge Menschen als Expert*innen in eigener Sache selbst zu Wort kommen zu lassen und sie als gleichberechtigte Gesprächspartner*innen wahr zu nehmen. Das Format setzt auf die Kompetenzen und das Engagement der jungen Menschen, löst Hierarchien auf und ermöglicht eine ortsunabhängige Teilnahme und -habe. Dies ermöglicht auch Freiwilligen und anderen Interessierten aus anderen Bundesländern oder dem Ausland (z.B. Absolvierung eines Europäischen Freiwilligendienstes im Ausland) die Teilnahme. Inhalte und Ablauf werden von den Teilnehmenden zu Beginn des Barcamps selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet.

    Praxisbeispiel:

    Mit dem Barcamp „OpenBadgesCamp – Trust meets OpenBadges“ hat die FSJlerin Saskia Krebsz für ihre Einsatzstelle GoEurope eine Veranstaltungsplattform im Juni 2017 geschaffen, die es strategischen Partnern, aber auch anderen interessierten Teilnehmern ermöglichte, einen Einblick in die internationalen Projektideen zum Thema Badges zu bekommen. OpenBadges können als digitale Tools zur Darstellung, Zertifizierung und Visualisierung von Lernerfahrungen genutzt werden und individuelle Lernprozesse noch detaillierter sichtbar machen

  • Alltagsunterstützende Technologien (Apps)

    Mit Anwendungssoftware werden Computerprogramme bezeichnet, die genutzt werden, um eine bestimmte Funktionalität zu ermöglichen. Sie dienen der „Lösung von Nutzerproblemen“, die sich beim FSJdigital an den Bedürfnissen sozialer Einrichtungen und deren Klienten orientieren. Insbesondere bei den älteren Menschen sollen Skepsis und Ängste gegenüber digitalen Entwicklungen abgebaut und ihr Vertrauen durch das Erlernen des kompetenten Umgangs mit diesen nützlichen Helfern gestärkt werden. Digitale Technologie bietet z.B. einen Zugang zu wirksamen und sicheren Assistenzsystemen für pflegebedürftige Menschen und kann damit ein selbstbestimmtes Leben im Alter unterstützen und soziale Teilhabe stärken. Durch den Einsatz neuer Technologien können in einer gemeinwohlorientierten Einrichtung zudem die unterschiedlichen Partner (Pflegebedürftige, Pflegedienste und Angehörige) für eine menschlichere und effizientere Pflege wirksam vernetzt werden.

    Praxisbeispiel:

    Der Freiwillige Nikolas Weigt hat 2016 wesentlich an der Entwicklung und Testung der DRK Discovery App mitgewirkt. Die App „DRK Discovery Sachsen-Anhalt“ ist ein gemeinsames Öffentlichkeitsarbeitsprojekt der beteiligten Kreisverbände. Sie ist als Entdeckungsreise durch die Welt des DRK konzipiert. Mitgliedsverbände haben die Möglichkeit, intuitiv einstellbare Termine in der App als Instrument zur Akquise und Steuerung von neuen Ehrenamtlichen zu nutzen. Das Spielprinzip der App funktioniert so: SpielerInnen können sich bei Interesse bei Aktionen eines Mitgliedsverbandes anmelden und für Mitmachen und Helfen im realen Leben mit virtuellen Punkten und Auszeichnungen in der App belohnt werden. Zudem bietet ein Quizz den NutzerInnen neben Wissen zu verschiedenen DRK-nahen Themen einen kurzweiligen Zeitvertreib für zwischendurch, mit dem weitere Punkte verdient und Rangstufen erreicht werden können.

Hier geht es zu Terminen und Anmeldung.